Vienna Eye Care Partners

Berichte

EYE CAMP FARIDPUR – BANGLADESH 2013

Das 3. Eye Camp der Vienna Eye Care Partners fand vom 2. bis 17. Februar 2013 in Faridpur, Bangladesh statt. Im Vorfeld waren viele Vorbereitungen nötig: Zwei Spaltlampen wurden überholt und verschickt, von unserem bengalischen Partner Shamim Haque durch den Zoll gelotst und nach Faridpur gebracht. Material, Linsen und Operationsbestecke sowie die Phakomaschine wurden teilweise als (Über-) Gepäck und teilweise als schweres Handgepäck von uns Richtung Dhaka transportiert. In Dubai trafen wir auf das Team des Plastic Surgery Camps, das zum 11. Mal in Faridpur Kinder mit Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten und Verbrennungen operiert. Unser lokaler Partner ist die Faridpur Welfare Foundation mit an der Spitze Shamim Haque, der die lokale Organisation bereitstellt (www.stichtingfaridpur.nl). Zur Wiener VECP Gruppe gehören Dr. Alex Salomon und Dr. Ingrid Kraupp, beide Augenchirurgen und Augenärzte. Mag. Elisabeth Micka ist für die Organisation zuständig (www.vecp.org.). Zur holländischen Plastic Surgery Gruppe zählen Dr.Cees Spronk, Plastischer Chirurg, Prof. Dr. Paul Spauwen, Plastischer Chirurg, Dr. Chantal Moues, Plastische Chirurgin, Dr. Rob Niemeyer, Anästhesist, Geke Hoeksema, Anästhesieassistentin. Neeltje Spronk ist für das Kinderheim zuständig.
Nach der Landung in Dhaka ging es mit unseren 20 Koffern und Kisten weiter nach Faridpur. Wir bekamen dafür einen Schulbus zur Verfügung gestellt, der das Reisen recht interessant machte. Nach Faridpur ist es zwar nicht weit, aber lang. Der Staub, die vielen Menschen, die Hitze, die übervolle Fähre bewirkten, dass wir uns schnell einleben konnten. Freudig war die Überraschung, dass wir in einem angenehmen Guesthouse untergebracht waren, mit der Chance auf Wasser, sogar warmes, und der Möglichkeit, am Abend beisammen im Freien zu sitzen. Auch unser bewährter Koch war wieder da.
Der erste Tag ist immer spannungsgeladen. Zuerst mussten die Kisten mit den Spaltlampen ausgepackt und zusammengesetzt werden, was Alex wunderbar von der Hand ging. Wir waren diesmal in einem anderen, neuen Spital, also musste auch das hierher transportierte Operationsmikroskop kontrolliert werden. Und das alles unter dem Druck der 915 blinden oder schwer sehbehinderten vor dem Spital versammelten Patienten, die dringend untersucht und am liebsten sofort operiert werden wollten. Auch temperamentmäßig sind Bengalen uns weit überlegen: man drängt und erkämpft sich lautstark einen Platz.
Den ersten Check führten die lokalen Augenärzte durch, die wir auch an diesem Vormittag kennen lernen durften. Dr. Enamul Haque, der lokale Augenchirurg, arbeitete sich mit einem Team durch die drängenden Patienten.
Im Oberstock begann ebenfalls die Selektion der Patienten. Ingrid und Alex hatten Nummernbänder mitgebracht, die sich im ganzen Camp bestens bewährten, da die Namen der Patienten ähnlich, die Schrift für uns nicht lesbar und die Identifikation in den beiden vorigen Jahren schwierig war. Die Not ist groß, blind sein in einem Land wie Bangladesh sehr schwierig. Zur Betreuung ist nur die Familie zuständig, was bei großer Armut zur Rolle des unnützen Essers führt. Der Entschluss stand fest: operiert werden „first eyes“, weil es wichtiger ist, auf einem Auge zu sehen als mit zweien ein bisschen besser sehen zu können.
Alle Operationen, die mit unserer tragbaren Phakomaschine ausgeführt werden konnten, wurden aufgelistet, ebenso wie die ECCE’s (manuellen Operationen) bei ganz verhärteter Linse. Man einigte sich kollegial: Dr. Haque nahm die ECCE’s auf sich und Dr. Salomon und Dr. Kraupp die Phakos. Wobei Dr. Haque sehr interessiert war, Phakos zu lernen. Ein Beginntraining fand auch im Laufe des Eye Camps statt. Alle drei Augenärzte arbeiteten ehrenamtlich im Camp, eine ganz besondere Zusammenarbeit für ein derartiges Projekt.
Nach einiger Zeit waren alle logistischen Probleme der Ambulanz im Griff, Zahidul Islam, unser vertrauter Manager, übersetzte und listete die Patienten, Dr. Rontu hielt Kontakt zum Spital, was bei dem Ansturm fast aus allen Fugen geriet. Nach ein paar Stunden lief es: 269 Patienten wurden von Alex und Ingrid untersucht und der Augendruck wurde vermessen, schliesslich 74 operiert mittels Phako. Vor jeder Operation wurde die passende Linse berechnet, gemessen und implantiert. Auch die 112 ECCE Operationspatienten wurden von unseren Augenärzten genauer gecheckt, um ein Risiko auszuschliessen; dies in Übereinstimmung mit Dr. Haque, der auch postoperativ bei manchem noch um ein Check up ersuchte.
Alle Patienten wurden postoperativ untersucht, behandelt und bekamen Medikamente zur Nachbehandlung, wie auch Sonnenbrillen, die in diesem Klima sicher wünschenswert sind. Es gab keine Komplikationen, von den 186 Patienten konnten zwei auch nach der Operation leider nicht sehen. Grund dafür war bei einem Fall Glaukom verborgen hinter der Linse und ein Corneaproblem. Beides war vor der Operation nicht erkennbar.
Auch Patienten vom Vorjahr kamen, um sich noch einmal untersuchen zu lassen, ob alles in Ordnung ist, was den letzten Arbeitstag von Ingrid und Alex sehr turbulent gestaltete.
Voll von Tumulten war manchmal auch die Situation in Faridpur: Das Spital steht mitten in der Stadt und die politischen Unruhen wehten zum Fenster herein: Sprechchöre, Demonstrationen, aufgebrachte Menschen: die politische Spannung war unheimlich fühlbar. Es ging um die Verurteilung eines Generals, der für die Morde in 1971 verantwortlich war. Aber spürbar war auch der temperamentvolle Auftakt zu den Wahlen Ende dieses Jahres. Unser Guesthouse wird immer bewacht.
Turbulent blieben die Tage: eine ordentliche OP-Einteilung zu machen war ein absolutes Kunststück, das Ingrid immer wieder gelang (die Patienten kommen an dem Tag, an dem sie Gelegenheit haben zu kommen/mit zu fahren oder dann wann sie wollen) und das andere großartige Kunststück gelang Alex, als sowohl die Phakomaschine als auch der Fusspedal des Mikroskopes ob der hohen Luftfeuchtigkeit im OP den Geist aufgab. Mit der Schweiz telefoniert, Phako gecheckt, reprogrammiert, diagnostisiert dass es am Fusspedal lag, Operationen gestoppt. Am Markt einen Originalschraubenzieher Philips Nr. 2 gesucht, gefunden, Fusspedal geöffnet, Feuchtigkeit gefunden, mit Ingrids Föhn ausgiebig getrocknet, verschraubt, geht! Am nächsten Tag noch einmal, aber es war möglich, die Arbeit fortzusetzen.
Die Spannung der weiteren Operationstage war trotzdem sehr hoch, da während der Operation nichts passieren durfte. Die Erschöpfung schlug zu. Auch unser einziger freier Tag, der Freitag, war zwar erholsam aber voll verplant: Die Bootsfahrt am Padma war entspannend und herrlich, am Abend hatten die Kinder von unserem Kinderheim ein prächtiges Tanzprogramm vorbereitet, aber wirklich freie Zeit war nicht eingeplant.
Manchmal ist der Druck sehr groß, das immer wieder nötige Improvisieren, die – für uns- unübersichtliche Organisation, der Lärm und der Staub. Dem gegenüber stehen die Menschen, die sich freuen, dass wir kommen, die alles tun, damit es leichter geht, die Tag und Nacht arbeiten: die OP Schwestern: Shirin, Tapoti und Polly und andere, Manik und Dr. Rontu im Vorfeld, Zahid mit seinem unermüdlichem Einsatz und Shamim, der uns die Wege ebnet.
Zwischendurch auch ein „Scientific Meeting“ für 300 lokale Ärzte und Studenten. Ingrid hielt ein Referat über „Sehbehinderung: nicht immer ist Operation eine Lösung“. Die Plastic Surgeons referierten ebenfalls und operierten in diesen Tagen 191 Patienten.
Auch durften wir am letzten Abend noch ein Hindu Festival miterleben, mit Tanz auf einer Bühne, sehr eindrucksvoll und lautstark.
Die `Closing Ceremony` wurde von Minister Hossain geleitet (Minister für Welfare and Overseas Employment), einem warmherzigen Mann mit viel Einsatz für seine Menschen. Shamim Haque an seiner Seite richtete ein Dankeswort an alle. Und es gab noch viele andere Redner so wie es in Bangladesh üblich ist.
Dann ging es wieder nach Dhaka, Essen bei Shamim, zufrieden noch zum Gulshan Market und abends müde ins Flugzeug nach Dubai, wo sich die Wege beider Teams wieder trennten.

Februar 2013
Mag. Elisabeth Spauwen-Micka
President VECP



EYE CAMP FARIDPUR - BANGLADESH 2013

  Number of Actions Dr. Enamul Haque Local eye doctors Dr. Alex Salomon Dr. Ingrid Kraupp
First Consults 914 855 59
Second consults 280   280
Eye diagnosis/ measurement 269   269
Phaco-operations 74 1 73
ECCE operations 112 111 1
Postoperative Consults 79   79
Postoperative Controls 49   49
Total actions/ interventions 1777 967 810
       
       
       
       
       
       
       
       

Eye Camp Februar 2014, Faridpur, Bangladesh

„….. ohne Augenlicht bist Du nichts wert, du fällst zur Last und nimmst der Familie ein Essen weg….. (Patient Eye camp)

Bericht: Elisabeth Spauwen-Micka

Vom 7. Bis 21. Februar fand in Faridpur das vierte Eye Camp statt. Schon zum zweiten Mal waren wir im Islamic Bank Hospital zu Gast. Die Zielgruppe des Eye Camps sind arme , sehbehinderte und blinde Menschen, die keine Möglichkeit haben sich je eine Operation leisten zu können.

Besonders zu erwähnen bei unseren Eye Camps ist die österreichisch-bengalische Zusammenarbeit zwischen Mr. Shamim Haque, President der Faridpur Welfare Foundation und VECP, Vienna Eye Care Partners: Shamim Haque lädt das österreichische Team ein, organisiert und sorgt dafür dass uns ein Krankenhaus inklusive Personal zur Verfügung steht, regelt unsere Unterbringung und unser Wohlsein. Unter VECP arbeiten Augenärzte ehrenamtlich. VECP übernimmt die Reisekosten und in den letzten Jahren Material und Geräte (Mikroskop, Spaltlampen) sowie Transport von Geräten, Medikamenten und Linsen. Sponsoren sind in dieser Website mit Dank erwähnt.

Allen gilt unser Dank, insbesondere auch Ali Asgor Manik, Sekretär der Faridpur Welfare Foundation.

Das österreichische Team bestand aus:

Dr. Alex Salomon, Dr. Michael Marek, Augenärzte und Augenchirurgen, Elisabeth Spauwen-Micka, Logistik und Organisation.

Von bengalischer Seite bestand das Team aus:

Dr. Kamsul Hasan, Augenchirurg, Dr. Mesbahul Rontu, Organisator und Kontaktman und Zahidul Islam, Übersetzer und Patientenmanager. Neben vielen anderen die mithalfen die Operationen zu unterstützen: die Ärzte der Vorselektion, OP Schwestern, Krankenhauspersonal und viele andere. Es fehlt nicht an Hilfsbereitschaft und Lernwillen von bengalischer Seite.

Als Berater stand uns Univ. Prof. Dr. Paul Spauwen zur Seite, der schon seit 12 Jahren chirurgische Operationen in Faridpur ausführt.

2014 war die Organisation der Eye Camps von einigen Schwierigkeiten gezeichnet: die politischen Unruhen nach der Wahl im Jänner waren lange ein grosser Unsicherheitsfaktor ob das Camp tatsächlich stattfinden konnte. Erst zwei Wochen vor Beginn konnte auf beiden Seiten, der österreichischen und der bengalischen , mit der Organisation begonnen werden.

Trotz dieser Ausgangssituation konnte das Eye camp 2014 erfolgreich durchgeführt werden .

Am ersten Tag des Camps fanden 1500 Patienten den Weg ins Krankenhaus. Dieser Ansturm war ganz gewaltig und überforderte unsere kleine Organisation. Alle wurden jedoch von lokalen Ärzten grob gecheckt. Von diesen 1500 Patienten war die Indikation bei 268 Kataraktoperation.

Dr. Alex Salomon und Dr. Michael Marek untersuchten die von den lokalen Ärzten indizierten Patienten zunächst auf Augendruck, dann mit unseren eigen Spaltlampen, und schliesslich bekamen Patienten Nummern , wurde die Stärke der Linse bestimmt und das Datum der Operation auf dem Statusformular eingetragen. Der Schwierigkeitsgrad dieser Logistik ist hoch: Die Sprache und Schrift sind für uns unverständlich, Englisch wird kaum beherrscht. Ohne Übersetzer gelingt nichts. Das bedeutet auch oft einen Zeitverlust bei Untersuchungen und Operationen.

Doch kann sich unser Resultat sehen lassen:

Es wurden 177 Patienten operiert

54 Phako-Operationen

123 ECCE Operationen

Es gab eine Komplikation. Mit der lokalen Organisation sind wir im dauernden Kontakt um auch noch eventuelle Probleme, die noch auftreten können, zu identifizieren und zu helfen sie zu lösen.

Gemeinsam mit unseren bengalischen Partnern ist es möglich jedes Jahr, jedes Camp, einiges zu verbessern mit dem Ziel den Patienten Augenlicht und Wertigkeit zurück zu geben.

Folgendes haben wir unseren Freunden und Sponsoren Ende Februar 2015 berichtet:

„….Leider müssen wir Euch informieren dass unsere geplante Reise nach Bangladesh (06.-20. Februar) nicht stattfinden kann. Die politische Situation in Bangladesh ist explosiv, das Aussenamt verhängt eine Reisewarnung und unsere bengalischen Partner wollen das Risiko unserer beider Camps, dem chirurgischen und dem Augencamp, nicht tragen. Sie erwarten in Kürze einen Militärputsch. Dieses Risiko - Strassensperren, Demonstrationen, Streiks e.d.- gilt vielleicht nicht einmal für uns – wir können in einem beschützten Konvooi fahren - sondern insbesondere für die Patienten, die oft tagelange Reisen auf sich nehmen um operiert zu werden. Ihre Sicherheit ist gefährdet.
Zum ersten Mal in 15 Jahren müssen wir eine Reise nach Faridpur absagen. Unsere Enttäuschung ist gross. Wir haben viele Patienten auf nächstes Jahr vertröstet, weil der Ansturm immer viel zu gross ist. Ihre Erwartungen werden jetzt nicht erfüllt.
Wir hoffen für Bangladesh dass sich die Situation beruhigt, im Moment gibt es auch eine Informationssperre für Google Alert, das ist kein gutes Zeichen.
Sobald sich alles wieder beruhigt planen wir weiter und organisieren die nächste Mission. Inzwischen ist schon das folgende Datum bekannt: 06 bis 20. Februar 2016….“